Evangelische Kirchengemeinde Sinsheim
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Aktuelle Predigt

31.12.2018

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Sinsheimer Gottesdienste, die durch den Evangelischen  Rundfunkdienst Baden
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09.09.2018

15.So.n. Trinitatis - Flugplatz-Gottesdienst - Dekanin Christiane Glöckner-Lang

Himmel, Erde, Luft und Meer

Liebe Gemeinde,

Wunderbare Momente - Momente zum Atem holen, zum Kraft tanken.

Vielleicht wenn ich sehr früh am Morgen das Fenster öffne. Der neue Tag kündigt sich an, noch ist das Licht verhalten, aber bald schon wird in aller Pracht die Sonne am Himmel stehen.

Wunderbare Momente:

Vielleicht wenn ich im Urlaub am Strand sitze, den Wellen des Meeres zuhöre und meine Füße den warmen Sand spüren.

Wunderbare Momente. Vielleicht in den Bergen. Ich sitze am Gipfelkreuz und lasse meinen Blick über die großartige Landschaft schweifen. Wie klein sieht die Welt da unten aus. Von hier oben betrachtet rücken meine Alltagssorgen sich zurecht. So ähnlich muss das auch beim Fliegen sein.

Momente zum Atem holen, zum Kraft tanken.

Bilder von Weite, von Raum, von Leben.

Wunderbare Momente.

Vielleicht denken Sie dabei an die zurückliegenden Urlaubswochen.

Oder an den privaten Rückzugsraum, den Sie immer wieder aufsuchen: den Lieblingsplatz im Garten, auf dem Balkon oder auf der Bank vor der Haustür.

Manchmal wird uns in solchen Augenblicken der Ruhe bewusst: ich atme, ich lebe!

Gott schenkt mir diesen Moment zum Luft holen, zum Kraft tanken.

Himmel, Erde, Luft und Meer. Das ist auch die Überschrift zu einem Lied in unserem Gesangbuch. Zu diesem Lied, das wir nachher auch singen werden gibt es eine wahre Begebenheit:

Im August des Jahres 1856, fanden zwei Steinbrucharbeiter beim Kalkabbau in einem wildromantischen Tal in der Nähe von Düsseldorf die Überreste eines Skeletts.

Forscher begutachteten die Knochen und stellten fest, dass dies die fossilen Überreste früher menschlicher Vorfahren waren, die in der Eiszeit lebten.

1864 erhielten die Urzeitwesen nach dem Fundort ihren Namen: Neandertaler.

Doch wie kam das Tal zu diesem Namen? Zweihundert Jahre zuvor, im Jahr 1650, wurde in Bremen Joachim Neumann geboren.
Einer Mode seiner Zeit folgend übersetzte er seinen Nachnamen ins Griechische und nannte sich fortan Neander. Er studierte Theologie, konnte aber mangels Geldes das Studium nicht abschließen.

So wurde er Hauslehrer in Frankfurt und später Hilfsprediger und Rektor der Lateinschule in Düsseldorf. Daneben sammelte er einen Kreis frommer Gläubiger um sich und hielt Andachten im Haus und auch im Freien.

Dazu lud er seine Anhänger gern in das malerische einsame Tal, durch das das Flüsschen Düssel führt. Seine Freunde nannten es später Neandertal.

Hier konnte er unbeobachtet seine kleine Gemeinde unterweisen. Doch leider blieb das nicht ohne Folgen. Die Düsseldorfer Kirchenverwaltung bekam Wind von der kleinen Gemeinde im Tal und belegte ihn mit Predigtverbot. Neander suchte sich eine neue Stelle, kehrte zurück nach Bremen und starb dort mit gerade mal 30 Jahren.

Kurz vor seinem Tod veröffentlichte Joachim Neander noch eine Liedersammlung. Den Erfolg dieser Sammlung und das nachhaltige Interesse an seinen Liedern hat er selbst nie erfahren.

Heute sind sechs dieser Lieder im Evangelischen Gesangbuch vertreten. Und soviel ich weiß einige davon auch im katholischen.

Zu den bekanntesten Liedern Neanders gehören "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren", aber auch: "Tut mir auf die schöne Pforte", "Wunderbarer König" und das Lied, das wir heute hier auf dem Flugplatzgelände singen: "Himmel, Erde, Luft und Meer".

Ein "Reise-Lied zu Land und Wasser", so überschrieb Joachim Neander sein 1680 entstandenes Lied. An Flugzeuge hat er damals natürlich noch nicht gedacht. Wir könnten den Titel heute noch etwas erweitern: „ein Reiselied zu Land, zu Wasser und zu Luft".

Das Lob des Schöpfers und das Lob der Schöpfung - das waren die großen Themen dieses Liederdichters. Und das, obwohl er in eine düstere Zeit hineingeboren wurde.

Der 30-jährige Krieg war gerade zu Ende gegangen. Die Folgen des Krieges belasteten die Bevölkerung schwer.

Auch Neander kannte die Not durch den frühen Verlust der Eltern. In dieser Situation schreibt er jedoch keine traurigen Lieder, sondern erstaunlicherweise Lob- und Danklieder.

1. Himmel, Erde, Luft und Meer zeugen von des Schöpfers Ehr; meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu.

Die erste Strophe des Liedes ist ein Rundumblick auf Gottes Schöpfung. Wie ein Rundflug bei dem man gleichzeitig einen Blick werfen kann auf alle Elemente - wie ein Rundflug kommt uns die erste Liedstrophe vor.

Neander ist dabei klar:

Die Natur ist keine Laune, kein Glücksfall der Evolution, sondern jedes Detail ist Gottes Werk. Alles: Himmel, Erde, Luft und Meer spiegeln das Schöpfungswerk wider.

Am Ende der Strophe wird dies mit der Aufforderung zum Singen und Loben verbunden. Es ist eine Aufforderung an die Seele, also an mich selbst.

Meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu!

Die Strophen zwei bis fünf beginnen jeweils mit dem Wort "Seht". Sie fordern uns also zum Betrachten und Staunen auf.

2. Seht das große Sonnenlicht, wie es durch die Wolken bricht;

3. Seht, wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall.

4. Seht, wie fliegt der Vögel Schar in den Lüften Paar bei Paar.

5. Seht der Wasserwellen Lauf, wie sie steigen ab und auf;

Neander weiß: Es sind nicht nur die großen Dinge, die uns zum Staunen bringen. Wenn wir mit offenen Sinnen durch Gottes Schöpfung gehen, entdecken wir bestimmt auch die kleinen Wasserwellen, den bunten Käfer auf dem Blatt oder wir hören das Zirpen einer Grille im Sommer.

Das alles, daran erinnert uns der Liederdichter: das alles ist Gottes Werk. Die sechste Strophe schlägt schließlich den Bogen zurück zur ersten, denn sie nimmt die Seele wieder in den Blick.

6. Ach mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar! Drücke stets in meinen Sinn, was du bist und was ich bin.

Diese Strophe ist ein Gebet und eine Erinnerung: denk daran, du bist geschaffen nach seinem Bild, dir hat er die Erde anvertraut, sie zu bewahren. Aber denk auch daran: Nur Geschöpf bist du, zerbrechliches Geschöpf - er allein ist Herr.

Himmel, Erde, Luft und Meer,

Neander möchte seinen Zeitgenossen auch Mut machen und Kraft schenken:

Wie auf einem Rundflug stellt er seinen Zeitgenossen im geschundenen und verwüsteten Deutschland vor Augen wie schön Gott ursprünglich alles gedacht hat. Und wie schön es auch wieder werden kann.

Auch uns heute Morgen ruft er zu: "Schau nicht nur auf das, was dir zu schaffen macht. Schau auf das, was Gott dir Gutes schenkt, was dein Leben reich macht"

Himmel, Erde Luft und Meer - an diesem schönen Spätsommertag danken wir Gott für jeden Atemzug, den er uns schenkt, für die Schönheit der Natur und die Momente der Ruhe und des Wiederauftankens, damit wir den Alltag besser bestehen können.

Und wir bitten: Herr, schenke uns immer wieder solche wunderbaren Momente.

Mitten im Alltag lass uns innehalten, denn du schenkst uns täglich neu Kraft zum Leben.

Amen

 

26.08.2018

13. So. nach Trinitatis Pfarrer Hartmut Friebolin

Predigtreihe -Tierische SOMMERKIRCHE- Thema: Biene       hier zu hören als MP3 

 

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