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31.12.2018

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05.08.2018

Israelsonntag - Die Taube - Pfarrerin Annette Röhrs

Tiere in der Bibel - Taube

Liebe Gemeinde,

ich weiß nicht, ob es eine Generationsfrage ist: mir kommt, wenn ich an „Taube" denke - abseits von den realen krachmachenden, recht uneleganten Tieren, die zuweilen über meinen Garten fliegen - , ziemlich schnell das Symbol der Friedensbewegung der 80iger Jahre in den Sinn. Weiße Taube auf blauem Grund. Und die Zeichnung von Picasso natürlich: zart gezeichnet mit einem Zweig im Schnabel. Und natürlich die vielen oft lilanen Tauben im kirchlichen Umfeld, die als Symbol der Heiligen Geistes gesehen werden, die auf Taufkerzen, Kettchen oder kirchlichen Broschüren zu sehen sind.

Die Taube fliegt viel durch unser jüdisch-christlichen Vater- und Mutterland. Als Friedenstaube ist sie weltweit unterwegs.

Für mich überraschend war in der Vorbereitung für heute zu lernen, dass die Taube als Friedenssymbol verhältnismäßig jung ist: Pablo Picasso entwarf die Silhouette einer Taube für den Weltfriedenskongress 1949. Die Geschichte von Noah klingt in diesem Bild an.

Wir haben die Geschichte von Noah eben noch einmal gehört: Noah schickt die Taube aus, um zu erforschen, ob die Wasser zurückgehen. Ist der Kampf vorbei? Ist wieder Land in Sicht? Werden wir bald wieder festen Boden unter den Füßen spüren? Ist Gottes großer, berechtigter Zorn verraucht? Gibt es wieder Frieden zwischen ihm und seiner Schöpfung? Kann Leben auf der Erde wieder neu entstehen? Noah stellt diese Fragen vorsichtig mit der Aussendung der Taube. Die Taube wurde übrigens in der antiken Seefahrt verbreitetet als Orientierungshilfe eingesetzt. Wo geht es lang? Das fragt auch Noah. Wo geht es lang, Gott?

Und Gott schafft Frieden zwischen sich und seiner Schöpfung: Das Wasser geht zurück. Das Schiff läuft auf Land und schließlich bekräftigt Gott, dass Himmel und Erde nicht mehr vergehen sollen und er seinen Bogen an den Himmel setzt zum ewigen Bund. „Gott sprach: Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. Ich will die Erde nicht mehr verfluchen wegen des menschlichen Handelns."

Die Taube ist die erste zarte Anfrage Noahs an Gott: Gibt es wieder Frieden. Und Gott nimmt diesen Wunsch auf und bietet einen neuen Bund an. Dass wir Menschen unsererseits diesen Bund nicht immer, ja viel zu oft nicht halten, ist leider bittere Realität. Gott hat das gewusst wie die Noah- Geschichte weiter erzählt, aber sich nicht abschrecken lassen.

Er hat den Bund geschlossen. Hat ihn immer wieder bekräftig am Berg Sinai noch einmal besonders mit der Gabe der 10 Gebote. Doch immer und immer wieder entfernen sich die Menschen von Gott.

Gott sieht sich das lange an und schickt dann seinerseits eine „Taube" aus: Jesus wird geboren. Bei seiner Taufe erscheint, so erzählen es die Evangelien, der Heilige Geist wie eine Taube vom Himmel und eine Stimme verkündet die Gotteskindschaft Jesu. Mit Jesus beginnt ein neues Kapitel der Bundestreue Gottes mit seiner Schöpfung - so glauben es wir Christen. Noch einmal ein besonderes Friedensangebot: der Menschgewordene Gott heiligt das Menschsein schlechthin, festigt den Bund auf unverbrüchliche Weise. Die Taube ist auch hier zum Symbol des Friedensbringers zwischen Gott und Mensch. Gottes guter Geist kommt in Form der Taube.

Dieser Geist, der so wesentlich für unseren Glauben ist, hat damit eine Gestalt bekommen. Eigentlich nicht Darstellbares kann jetzt sichtbar gemacht werden: unendlich viele Bilder zeigen das. Die Christliche Malerei hat die Taube dankbar aufgenommen. Auch in unserem Kirchenfenster haben wir eine Taube!

Die Taube als Friedensbringer. Die Taube als Gottes Geist.

Die Taube ist auch Opfertier im Alten Testament.

Immer, wo es sich die Gläubigen nicht leisten können, ein größeres Tier zum Opferaltar zu bringen, erlauben die Schriften, die Opferung von Tauben - auch Jesu Eltern opfern als Dank für ihren Sohn Tauben!

Blutrüstig erscheint uns dieses Opfergeschehen heute. Und in der Tat, es war ein blutiges Geschehen. Und doch ist es eines, in dem es wieder um den Bund des Friedens geht: Es war der Versuch der Zeit, den seitens des Menschen gebrochenen Friedensbund mit Gott wieder herzustellen. Gott ein Geschenk machen in der Hoffnung, in dem Vertrauen, dass er dieses Geschenk annimmt und wieder Frieden herrschen kann. Ein Friedensangebot wie Noahs Taube. Wir bringen heute manchmal unseren Liebsten Blumensträuße mit, wenn wir uns falsch verhalten haben oder auch wenn wir Danke sagen wollen. So ähnlich können wir uns das vorstellen, wenn man damals ein Paar Turteltauben zum Altar brachte. Es ging nicht um Freikaufen oder Bestechung - es war ein Akt der Liebe und der Reue. Ein Wunsch nach Frieden.

Die Taube ist auch als Opfertier ein Symboltier des Friedens.

Und dann ist die Taube ist auch Symboltier der Liebe - noch heute. So manches Brautpaar lässt an der Hochzeit Tauben in den Himmel steigen.

Die Taube gilt im Alten Orient seit Jahrtausenden als Begleittier der Liebesgöttin. Dieses Motiv ist auch in die Bildsprache des Alten Testaments eingewandert. Vor allem im Hohelied ist die Taube das zentrale Tier. Die Geliebte wird mit einer in Felsklüften lebenden wilden Taube gleichgesetzt - unerreichbar, nur kurz zu sehen - wie die Liebesgöttin auch. Oder die Augen der Geliebten werden mit Tauben verglichen - aus den Augen spricht die Liebesgöttin und verzaubert das Gegenüber.

Das Hohelied ist zunächst einmal ein ganz normales Liebeslied. In ihm wird die von Gott geschenkte Sexualität besungen - die Freude an der Liebe und an der Lust. Doch das Hohelied ist in der jüdischen Tradition auch das Liebeslied Gottes zu seinem auserwählten Volk schlechthin. Eine allegorische Auslegung, die auch im christlichen Kontext verbreitet ist. Mit zu viel Körperlichkeit gab und gibt es in der Tradition der Kirche ja so seine Probleme....

Das Hohelied zählt im Judentum zu den 5 biblischen Büchern, die eng mit einem großen Fest verknüpft sind. So wie wir ja auch unsere Texte haben, die bei bestimmten Festen nicht fehlen dürfen. Weihnachten ohne die Geburtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium geht gar nicht.

Das Hohelied wird beim Passa-Fest gelesen. Dabei wird an die Rettung aus der Sklaverei in Ägpyten gedacht. Sie erinnern sich: Mose führt das Volk Israel durch das Schilfmeer die nachfolgenden Soldaten ertrinken. Diese Erzählung ist das Rettungsgeschehen im Judentum schlechthin - in der Bedeutung für den Glauben vergleichbar mit der Auferstehung Jesu im Christentum. Gott rettet sein Volk.

Gott rettet sein Volk, weil er es liebt.

Der Liebesgesang des Hoheliedes gibt dieser Liebe Ausdruck. Deshalb ist es ein passender Text für dieses Fest.

Gott umwirbt sein Volk wie der Liebende seine Geliebte. Sucht es, findet es, läuft ihm nach, hat Sehnsucht nach ihm. Das Volk ist wie eine Geliebte. Seine Geliebte, die in der Poesie des Liedes immer wieder mit der Taube gleichgesetzt wird. Auf diese Weise ist die Taube auch zum Sinnbild für die Gemeinde Gottes in der jüdischen Tradition geworden.

Die Taube als Bild für die Liebe.

Die Taube als Bild für das Volk Israel, das Volk der auserwählten Kinder Gottes.

Tauben als Sinnbild für die Liebe Gottes und den Frieden - so finden wir sie in unserer Heiligen Schrift, die wir zum großen Teil mit den jüdischen Geschwistern teilen.

Sie können uns zur Erinnerung werden: die Liebe Gottes fliegt zu uns Menschen in die Welt hinaus. Wir beten und hoffen und vertrauen darauf, dass sie eines Tages die Menschheit eint. Nicht notwendigerweise in einem Glauben, aber in einer wahrhaft friedlichen Welt.

Wenn Sie beim nächsten Urlaub in irgendeiner europäischen Metropole sich mal wieder über das ausdringliche Federvieh ärgern - ich gestehe, ich tue das regelmäßig - dann erinnern Sie sich daran: Gottes Geist wirkt an den unglaublichsten Plätzen dieser Welt und will den Frieden. Amen

 

 

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